Wappen der Gemeinde Segnitz am Main
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Gemeinde
Segnitz am Main
Die 'nasse Grenze" wird befahren.

 

 

 

 

 

 

Flurgang Anno dazumal

 

Mit einem historischen Flurgang zu „Lande und zu Wasser“ fand am Samstag, den 18.11.2017, der vorletzte Programmpunkt im Jubiläumskalender 875 Jahre Segnitz statt. Wie Anno dazumal stellten sich Bürgermeisterin, Gotteshausmeister, Feldgeschworene, Gemeinderat, Gemeindeschreiberin und die Musik in Person des Marktbreiter Bürgermeisters Erich Hegwein am Rathaus auf, um durch das ehemalige Maintor an den Main zu marschieren. An der Linde begrüßte Bürgermeisterin Marlene Bauer ca. 60 Bürgerinnen und Bürger bevor Karin Bischoff über das Feldgeschworenenwesen informierte - natürlich ohne das Siebenergeheimnis zu verraten.

 

Den weiteren Verlauf des Flurgangs aus dem Jahr 1727 erklärte anschließend Norbert Bischoff. Dann bestiegen die Honoratioren ein Boot, um die Grenze Segnitz/Marktbreit im Main zu befahren während die Bürgerschaft am Ufer entlang marschierte und Beifall gab wenn die Grenze vom Boot aus beschossen und mit einer Waldhornfanfare angezeigt wurde. Bürgermeister Hegwein achtete dabei darauf, dass die „nasse Grenze“ auch richtig befahren und beschossen wurde.

 

An der Gemarkungsgrenze zu Frickenhausen ging es dann auf dem Landweg an der „zackigen Grenze“ entlang durchs Dietental zum Wald. Unterwegs berichtete Norbert Bischoff über den „großen Streit um den Kleinen Anger“, der sich im 15. Jahrhundert zugetragen und in Segnitz jahrhundertelanges Unbehagen hinterlassen hat, mit dem Verdacht, dass damals Macht vor Recht ergangen ist. Am Waldrand wurde der Jugend mit dem „Stauchen“ auf einem Gemarkungsstein die Grenze eingeprägt, allerdings abweichend vom historischen Brauch, der einst sehr schmerzhaft sein konnte.

 

Am „Dreiländereck“ Frickenhausen-Segnitz-Sulzfeld war dann der „Stickelkrieg“ mit Marktsteft, der im 18. Jahrhundert die Gemüter in den beiden markgräflichen Orten bewegte und zur Wallung brachte, Thema eines weiteren Vortrags. Anschließend ging es dann über den Zobelsberg nach Segnitz zurück wo der Flurgang nach historischem Vorbild mit einer Brotzeit für alle Teilnehmer ausklang. Die Ausstellung „Feldgeschworene in Franken“, die vom 19. bis 26. November im Mehrzweckraum in der alten Schule zu sehen ist, gibt nochmals Gelegenheit, sich über das Feldgeschworenenwesen zu informieren.

 

Das Segnitzer Jubiläumsjahr klingt nun mit dem Thema „Geh mer Krippe schaun“ aus. Nach der Eröffnung am 17. Dezember ist die Franksche Fichtelgebirgskrippe bis 6. Januar an Sonn- und Feiertagen (außer 24.12.) jeweils von 14 bis 18 Uhr in der Hans-Kesenbrodstraße 17 zu besichtigen.

 

 

 

 

 

 

 

 


Richard Scharnagel und Marlene Bauer begrüßen das zahlreich erschienene Publikum.
Nur der Platz des Fotografen war zeitweise frei.

 

 

Der Landkreis um 1960 und heute aus luftiger Höhe

 

Mit dem Film „Der Landkreis Kitzingen um 1960“ und einer Bilderschau mit aktuellen Luftaufnahmen setzte die Gemeinde Segnitz am Freitag, 20. Oktober ihre Vortragsreihe im 875. Jubiläumsjahr fort. Der Schwarzweißfilm, eine Produktion der Bayern-Film Augsburg, erinnerte an das Leben, Arbeiten und Feiern in den Dörfern und Städten am Main und rund um den Schwanberg. Zu sehen waren Ortsansichten und Sehenswürdigkeiten, Betriebe, Landwirte und Winzer aus dieser Zeit.

 

Was sich bis heute so alles verändert hat, zeigte Richard Scharnagel im Anschluss an den Film anhand aktueller Luftbilder. Schwerpunkt waren dabei Segnitz und Marktbreit von oben. Der Film- und Bilderabend ergänzte die Segnitzer Vortragsreihe mit den bisherigen Themen erste Franken im Maindreieck, erste Erwähnung von Segnitz, die Protestantischen Union und Landjuden in Unterfranken.

 

 

 

 


Bürgermeisterin Marlene Bauer bedankt sich bei Frau Dr. Rotraut Ries für den fesselnden und hochinformativen Vortrag.
Interessiert folgen die Zuhörer Frau Dr. Ries auf einer Reise durch viele Jahrhunderte deutsch-jüdischer Geschichte.

 

 

Einblick in das Leben der Landjuden in Unterfranken und anderswo

 

Bis auf den allerletzten Platz besetzt war am Donnerstagabend, den 28.09.2017 der Segnitzer Gemeindesaal beim Vortrag „Landjuden in Unterfranken und anderswo – ein Vergleich“. Nach Vorträgen über die ersten Franken am Maindreieck, die Segnitzer Ersterwähnung im Jahr 1142 und die protestantische Union waren nun die Landjuden Thema im Segnitzer Jubiläumsjahr. Bürgermeisterin Marlene Bauer erinnerte an die im 19. Jahrhundert in Segnitz sehr zahlreiche Kultusgemeinde und so nahm die Gemeinde auch dieses Kapitel in den Veranstaltungskalender „875 Jahre Segnitz“ auf.

 

In ihrem Vortrag spannte Frau Dr. Rotraud Ries, Leiterin des Johanna-Stahl-Zentrums Würzburg, den Bogen von den ersten in Deutschland bekannten jüdischen Gemeinden im elften Jahrhundert bis zur rechtlichen Gleichstellung im Deutschen Reich nach 1871. Die Juden waren im Laufe dieser Zeit häufigen Pogromen und ständigen Verfolgungen ausgesetzt, die keine kontinuierliche Gemeindeentwicklung zuließen. In den meisten Städten durften sie nicht wohnen, Grundbesitz und Handwerk waren ihnen nicht erlaubt. So siedelten sie sich soweit es der jeweilige Landesherr zuließ in Kleinstädten und Dörfern an, um von dort aus ihren Geschäften nachzugehen.

 

Bevorzugt und gestattet waren dabei der Viehhandel, der Weinhandel, Metzgereien oder der Hausierhandel mit Textilien und tierischen Erzeugnissen. Durch hohe Abgaben, Sondersteuern und die landesherrlichen Schutzbriefauflagen bewegten sich die meisten Juden aber am Rande des Existenzminimums. Bildung war nur begrenzt und in den kleinen Schulen der Kultusgemeinden möglich. Beerdigt wurde in oft weit entfernten Friedhöfen. Wirtschaftliche Gründe, Bedrängnisse und die Konkurrenz auch in den eigenen Reihen zwangen viele Familien zum Hausieren und zu häufigen Umzügen. Damit entwickelte sich allerdings auch ein weitverzweigtes Netz jüdischer Familien und Gemeinden, das vor allem die Handelsbeziehungen förderte.

 

Nach der Auflösung der Herrschaftsstrukturen des alten Reiches schaffte das neue Königreich Bayern im Jahr 1816 die Schutzbriefregelung ab und führte zur Registrierung und Kontingentierung der Juden Matrikel ein. Demnach durfte in den Gemeinden nur eine bestimmte Zahl von jüdischen Familien wohnen. In Segnitz waren demnach 13 Haushalte zugelassen. Ein Neuzugang konnte sich in der Regel nur als Ersatz für einen frei werdenden Platz ansiedeln. Viele Juden nutzten deshalb die Möglichkeit der Auswanderung. Die Matrikel lösten zwar das bisherige Schutzjudentum ab, ein wesentlicher Schritt zu einer Gleichberechtigung bedeuteten sie jedoch nicht. Immerhin durften die Juden nun aber einem Handwerk nachgehen und Grundbesitz erwerben. Auch war den Juden nun eine höhere schulische Ausbildung zugänglich wie zum Beispiel im 1848 in Segnitz gegründeten Brüsselschen Handels- Lehr- und Erziehungsinstitut.

 

Mit der allmählichen Lockerung der Matrikelgesetze in Bayern in den 1860er Jahren, spätestens aber mit der völligen Gleichstellung der Juden im Deutschen Kaiserreich verließen viele Familien ihre Landgemeinde und siedelten sich bevorzugt in den Städten an. Damit verringerten oder lösten sich zahlreiche Kultusgemeinden, so wie in Segnitz um 1880, auf.

 

Zum Abschluss ging Frau Dr. Ries noch auf die Aufgaben des Johanna-Stahl-Zentrums ein. Die Einrichtung ist im jüdischen Gemeindezentrum Shalom Europa untergebracht und befasst sich seit nunmehr 30 Jahren mit der Sammlung regionaler jüdischer Kultur, der Beratung und Vernetzung, der Forschung und der Vermittlung.

 

 

 

 


Gut aufgestellt - schon die Jüngsten sind mit Feuereifer dabei.

 

 

Auch Goethe war ein Faustballfan

 

Segnitz und Faustball gehören zusammen - vielmehr: „Segnitz ist Faustball“. Schließlich nimmt dieser Sport im Gärtner- und Winzerdorf bereits seit mehr als 100 Jahren eine besondere Stellung ein.

 

Goethes Sportreportage

 

Faustball zählt zu den ältesten bekannten Ballspielarten. Schon in der Antike und besonders bei den Römern sind Wettkämpfe bekannt, bei denen ein ballartiges Spielgerät mit der Faust geschlagen wurde. Als Vorläufer des heutigen Faustballs gilt aber das „Ballonspiel“ der Italiener, das bereits im Spätmittelalter bekannt war und dort als Volkssport galt. Johann Wolfgang von Goethe lernte das Spiel während seiner italienischen Reise im Jahr 1786 kennen.

 

Begeistert berichtete er, dass sich je vier Veroneser und Vicentiner auf einem 90 Meter langen und 20 Meter breiten Spielfeld vor einer riesigen Zuschauerkulisse gegenüber standen. Eine ein Kilogramm schwere mit Leder umhüllte Blase wurde mittels einer hölzernen Manschette, der Bracciale, am Unterarm solange möglichst hoch und weit hin und zurückgeschlagen, bis sie in einem Feld mehr als einmal den Boden berührte oder ins Aus geschlagen wurde. Für diese Fehler handelte sich der Verursacher dann Verlustpunkte ein. Bei vier Minuspunkten und mindestens zwei Zählern Unterschied war das Spiel beendet. In der Regel wurde entlang einer Stadtmauer oder Häuserzeile gespielt, die als „Bande“ das Match interessanter machen sollten.

 

 

 

 

 

 

"Faustball einst und jetzt - vom Gesellschaftsspiel zum Leistungssport" war am 27.07.2017 das Motto des Turnvereins Segnitz.

Faustball in Deutschland

 

In Deutschland machte das Faustballspiel der Münchener Lehrer Georg Heinrich Weber im 19. Jahrhundert salonfähig und stellte es beim Deutschen Turnfest 1885 der Öffentlichkeit vor. Damals zählte man noch die Überschläge des Balles über die Leine wobei es unsportlich war, den Gegner zu überlisten. Das Publikum wollte nämlich möglichst lange Spielzüge mit hoch geschlagenen Bällen sehen, wobei es noch nicht um Sieg oder Niederlage ging.

 

Das Faustballspiel erlebte von nun an einen enormen Aufschwung und diente vor allem in den Turnvereinen zunächst als Ausgleich zum Turnen. Allmählich entwickelte es sich aber zum Mannschaftssport mit Wettkampfcharakter. Bei der ersten Deutschen Meisterschaft im Jahr 1913 gewann Frankfurt noch nach alter Zählweise gegen München mit 114:101.

 

Verschiedene Regeländerungen, die unter anderem alle Schlagarten erlaubten, die Einführung einer Angabelinie und die Änderung der Zählweise in eine Vorteilswertung im Jahr 1922 machten nun den Weg frei zu einem noch heute auf allen Kontinenten verbreiteten Hochleistungssport.

 

 

 


 

 

Zu einer musikalischen Zeitreise in der Kirchenburg lud am 28.06.2017 der Kirchenchor ein.

 

 

 

 

 

 

 


Dorfrundgang mit Hintergedanken

 

Voll besetzt war am Freitagabend, den 23.06.2017 der Mehrzweckraum in der alten Schule in Segnitz. Dort stand im Veranstaltungskalender zum 875. Jubiläum des Ortes ein virtueller Rundgang durch die Geschichte von Segnitz.

 

Hierzu hatte Norbert Bischoff eine Auswahl aus seiner Bildersammlung zusammengestellt. Zu sehen war dabei zunächst Segnitz aus der Luft mit Bildern des Dorfes und der Flur aus den vergangenen 73 Jahren. Flurbereinigung, Autobahn, der Mainausbau und die Neubausiedlungen haben das Gesicht der Landschaft während dieser Zeit wesentlich geprägt.

 

Dann ging es über die Brücke mit Ansichten vom ersten Brückenbau im Jahr 1893, der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, dem Wiederaufbau und zuletzt zum neuen Mainübergang von 2010. Anhand von historischen Karten zeigte Bischoff die Entwicklung des Dorfgrundrisses vom einstigen Straßenkreuz zur aktuellen Verkehrsführung. Am ehemaligen Maintor ging es dann durch die Straßen und Gassen des Dorfes. Dabei gab es so manche nicht mehr vorhandene oder stark veränderte Bausubstanz zu sehen.

 

Die Gegenüberstellung von Alt und Neu machte deutlich, wie sich die Gebäudeensembles vor allem im Lauf der letzten Jahrzehnte verändert haben und wie aus vermeintlichen Ruinen wieder Schmuckstücke geworden sind. Die Bilder erweckten auch die Erinnerung an gepflasterte Straßen, an Abwässer, die offen durch das Dorf liefen, an die Dorfbrunnen, an das ehemalige Schulhaus oder an die noch intakte Kirchenburg.

 

Am Ende bot Bischoff an, bei Interesse weitere Bilderabende zu veranstalten. Allerdings mit dem Hintergedanken, die Segnitzer für den Wert alter Fotografien zu sensibilisieren damit sie ihre Schätze zur Anfertigung von Kopien zur Verfügung stellen.

 

 

 

 



Schon lange vor Schillers "Glocke" galt: "Von der Stirne heiß / Rinnen muß der Schweiß, / Soll das Werk den Meister loben!"
Beim Schmuck hat jede Epoche ihren eigenen Stil.

Museumsfest in Segnitz - eine informative Zeitreise durch die Jahrtausende

 

Der Internationale Museumstag in Segnitz zeigte sich diesmal wirklich international. Unter dem Motto „Spurensuche – von der Steinzeit in die neue Welt“ gab es am Sonntag, den 21.05.2017 wieder viele Aktionen rund um das Hallstatthaus im Museumshof zu sehen.

 

Verschiedene Aktions- und Reenactmentgruppen von der Steinzeit bis zu den nordamerikanischen Indianern zeigten ihre Exponate und führten vor wie sie funktionierten. Vorgestellt wurden steinzeitliche Waffen und Geräte, die Merowinger, mittelalterliche Textilverarbeitung, Färbe- und Webtechniken. Ein Bronzegießer präsentierte sein heißes und ein Bogenschütze sein treffsicheres Handwerk während ein Fibelschmied künstlerische Arbeiten aus der Bronze- und Urnenfelderzeit vor mehr als 2000 Jahre mitgebracht hatte.

 

Die Kultur in der neuen Welt vertrat ein Indianer, der Waffen, Schmuck und Alltagsgeräte der Ureinwohner Amerikas erklärte. Eine Sonderausstellung im Mehrzweckraum in der alten Schule befasste sich zudem unter dem Titel „Von Segnitz in die Welt – Auswanderer, Flüchtlinge, Legionäre, Missionare“ mit Segnitzern, die ihr Glück in anderen Ländern gesucht haben.

 

Langeweile hatten auch die Kinder nicht. Wie immer am Internationalen Museumstag gab es auch diesmal eine archäologische Schatzsuche, Stockbrot backen, Töpfern und Schmuck basteln.

 

 

 

 

Von Segnitz in die Welt

 

Wer war der „Zammert“, wo und wie kam der Missionar Ferdinand Rott ums Leben, wo kämpfte und starb Ernst Gottlieb Machwarth als französischer Fremdenlegionär oder welche Verbindung bestand zwischen Segnitz und der einst bedeutendsten Kaufhauskette Filenes in den USA? Die Lebenswege von Personen, die aus Segnitz stammten oder die mit Segnitz in Berührung kamen und die in der Welt ihr Glück oder Unglück fanden, war Gegenstand einer Ausstellung im Mehrzweckraum in der alten Schule.

 

Vom 21. Mai bis 4. Juni konnten sich die Besucher der Ausstellung unter anderem auch über die Krönleins, Otto Driesen, die Ballins oder Friedrich Lodter informieren und anhand von Bild-/Texttafeln und Exponaten erfahren was aus ihnen geworden ist.

 

 

 


Gebannt lauschen die Zuhörer den Ausführungen Professor Dr. Bergerhausens.
Bürgermeisterin Marlene Bauer übergibt dem Vortragenden als kleines Dankeschön eine Segnitzer Brotrauschkiste.

Die Protestantische Union, ein kompliziertes aber spannendes Thema

 

Nicht leicht verdaulich aber dennoch spannend und informativ war der Vortrag über die protestantische Union von Prof. Dr. Bergerhausen am Samstag, dem 13.05.2017 im Gemeindehaus. Schließlich handelte es sich auch um ein kompliziertes Thema, das die weitverzweigten politischen Verwicklungen zwischen Calvinisten, Lutheranern, Fürsten und Städten im Vorfeld des Dreißigjährigen Krieges aufdeckte.

 

Am Ende kam Dr. Bergerhausen zum Schluss, dass die Union, die den Protestantismus nach dem gescheiterten Augsburger Religionsfrieden zur Reichskonfession erheben wollte, spätestens nach 13 Jahren im Jahr 1621 ebenfalls gescheitert war. Hauptgründe hierbei waren zunächst die beiden protestantischen Lager der Calvinisten und der Lutheraner, die zwar das selbe Ziel verfolgten, sich aber gegenseitig nicht vertrauten und sich somit nicht einigen konnten und allmählich zu Gegenspielern wurden. Ähnlich war das Verhältnis der Städte und der Fürstentümer, die meist ihre eigenen Ziele im Auge hatten. Schließlich konnte man die norddeutschen Stände nicht für ein Bündnis gegen den Katholizismus begeistern.

 

Uneinigkeit herrschte bald auch über die Ziele innerhalb der Union. Einerseits wollte man eine friedliche Lösung, andere strebten aber den Krieg an. Hier betrieben vor allem der Kurfürst von der Pfalz, die Kursachsen und das Haus Ansbach-Brandenburg auf Kosten der Union eine Politik der eigenen Interessen. Ansbach zum Beispiel spielte dabei mit dem seit langem gehegten Gedanken, die fränkischen Bistümer unterwerfen zu können. Gescheitert waren auch Bestrebungen, den Unionsgedanken europaweit zu verbreiten. Als es dann auch noch um Erbfolgestreitigkeiten nach dem Aussterben des Fürstenhauses Jülich kam, drohte bereits ein großer europäischer Krieg. Als Auslöser des Dreißigjährigen Krieges gilt aber der Prager Fenstersturz im Mai 1618, mit dem der Aufstand der protestantischen böhmischen Stände gegen das Haus Habsburg und somit gegen die Rekatholisierungsversuche des deutschen Kaisers offen ausbrach.

 

Als Fazit kam Dr. Bergerhaus zum dem Schluss, dass es sich letztlich verheerend auswirkte, dass ausgerechnet jetzt in Kurpfalz/Heidelberg und auch in Ansbach Leute am Ruder waren, die Politik als hasardierendes Vabanquespiel betrieben. So stand das Scheitern der Union im engsten ursächlichen Zusammenhang mit der größten Katastrophe, die das alte Reich in seiner langen Geschichte jemals erlebte. Am Ende des Vortrags überreichte Bürgermeisterin Marlene Bauer eine Segnitzer Brotrauschkiste an Dr. Bergerhausen bevor die Gäste auf den gelungenen Abend anstoßen konnten.

 


Das Plakat von 1992
- und die Urkunde von 1142

Rückblick 850 Jahre Segnitz - ein Ausblick auf das Jubiläumsjahr 2017

 

Gut besucht war der Mehrzweckraum in der alten Schule am 07.04.2017 bei der Bilderschau "850 Jahre Segnitz 1142 – 1992". Schließlich gab es einige alte oder zumindest noch jüngere Gesichter zu sehen. Auch konnten damals noch Handwerke vorgestellt werden, die es heute in Segnitz nichtmehr gibt.

 

Der Besucheransturm im Jahr 1992 ließ ahnen, was am 30. April 2017 in Segnitz los sein würde. Auch das folgende Jubiläumsprogramm versprach ja noch zahlreiche interessante Veranstaltungen. So fand nach dem Kreisheimattag am 13. Mai mit dem Thema „Die protestantische Union 1608-1621“ ein weiterer für Segnitz interessanter Vortrag statt.

 

Für den Museumstag am 21. Mai hatten sich wieder einige historische Gruppen angesagt und am 23. Juni ging es dann mit alten und neuen Ansichten virtuell durch Segnitz.

 

 


Professor Dr. Leng blickt weit zurück in die Geschichte
- und sehr genau auf die Urkunde.

 

Urkunde gefälscht, Ersterwähnung aber richtig!

Sie können Ihr Jubiläum getrost weiterfeiern“ war das Fazit von Professor Dr. Rainer Leng am Ende seines Vortrages über die Ersterwähnung von Segnitz im Jahr 1142, der am 24.03.2017 zahlreiche Zuhörer anzog. Auch wenn es bei der Abfassung der Urkunde nicht ganz mit rechten Dingen zuging, so sind das Datum und der Anlass einer Erstausfertigung mit großer Wahrscheinlichkeit echt.

 

Prof. Leng erklärte in seinem spannenden und leichtverständlichen, teils humorvollen Vortrag zunächst die Merkmale der Segnitzer Bischofsurkunde. Inhaltlich ging es bei diesem Schriftstück um die Schenkung von Grundstücken in mehreren Ortschaften am Maindreieck an das Stift Neumünster in Würzburg. Die Veräußerer, ein Herr Altum und seine Ehefrau Judith, machten dabei zur Auflage, dass der Besitz nach ihrem Tod in das Eigentum ihres Sohnes Walthard, einem Chorherrn am Würzburger Stift, übergehen sollte. Dieser musste dann jeweils am Todestag der Eltern einen genau festgelegten Anteil aus dem Ertrag der Güter für einen guten Zweck spenden. Weiterhin verfügte die Urkunde, dass dieses Erbe nach dem Tod von Walthard nur an dessen Nachfolger vererbt werden darf.

 

Hier schöpfte nun die Urkundeforschung Verdacht auf eine Manipulation mit der sich das Neumünster den Nachlass der Altums unter den Nagel reißen wollte. Walthard konnte nämlich als Kirchenmann keine regulären Nachkommen haben und so würde der Besitz dem Stift als Nachfolger zufallen. Möglicherweise erhoben die Verwanden nach Walthards Tod Anspruch auf das wohl beträchtliche Erbe und so musste man kirchlicherseits handeln. Eine Praxis, die vor allem in den Bischöflichen Schreibstuben in Würzburg keine Seltenheit war. So stellte man fest, dass auch die Segnitzer Urkunde aufgrund der Ausdrucksweise, des Schriftbildes und einer Nachbildung des Bischofssigels erst am Ende des 12. Jahrhunderts verfasst worden sein kann. Prof. Dr. Leng konnte die zahlreichen Zuhörer aber beruhigen. Mit Sicherheit liegt dieser Fälschung ein echtes Original oder zumindest eine Vereinbarung aus der Zeit um 1142 zugrunde sonst wäre die „korrigierte“ Version schon damals als „fake news“ enttarnt worden.

 

 

 

 


Dr. Margarete Klein-Pfeuffer beim Vortrag.
Festliche Stimmung in der Segnitzer Turnhalle anläßlich der "Dorf-Geburtstagsfeier".

 

 

875 Jahre Segnitz und die ersten Franken am Maindreieck

 

Ganz im Zeichen der ersten Franken am Maindreieck stand der Festabend zum 875. Jubiläum der Ersterwähnung von Segnitz im Jahr 1142. Bürgermeisterin Marlene Bauer konnte am 13.01.2017 zum Auftakt eines programmreichen Veranstaltungsjahres in der Segnitzer Turnhalle neben zahlreichen Ehrengästen aus der Politik und aus der Kulturszene auch viele Segnitzer begrüßen, die der Einladung zur Geburtstagsfeier ihres Dorfes gefolgt waren.

 

Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag „Wie lebte man in der Merowingerzeit“ von Dr. Margarete Klein-Pfeuffer. Die Archäologin entführte dabei die Zuhörer in die Zeit der merowingischen Franken, die vom Mittelrhein kommend, im 6. Jahrhundert nach Christus das Maingebiet eroberten und wohl auch Segnitz besiedelten. Wie aus Gräberfeldern in Segnitz und in Kleinlangheim hervorgeht, hatten es die Franken damals auch mit Alamannen, Thüringern und Slawen zu tun gegen die man sich verteidigen oder mit denen man zusammenleben musste.

 

Viele Grabfunde zeigen auch, dass die Franken bereits christliche Sitten mitbrachten aber dennoch vielen alten heidnischen Bräuchen treu geblieben waren. Das änderte sich erst als sich im 8. Jahrhundert mit der Gründung der Bistümer das Christentum allmählich als Reichskirche durchsetzte und die jeweiligen dörflichen Eigenkirchen verschwanden. Dr. Klein-Pfeuffer gab neben der politischen und religiösen Geschichte der Merowinger auch Einblick in das Alltagsleben der ersten Franken. Welche Kleidung die Damen und Herren dieser Zeit trugen, wie sich die Verpflegung zusammensetzte, welcher Schmuck modern war, wie sich die Krieger bewaffneten, man Verletzungen behandelte und welche Sitten auf dem Weg ins Jenseits herrschten. Die Merowinger lösten nämlich mit der Anlage von Ost-West ausgerichteten Reihengräbern die bisherige Brandbestattung der ansässigen Germanen ab.

 

Antwort auf diese Fragen gab es im Anschluss an den offiziellen Teil auch bei der Eröffnung der Ausstellung „Die ersten Franken am Maindreieck“ im Museum Segeum in der alten Schule in Segnitz. Hier konnten bis zum 19. März 2017 die Originale aus dem ersten Merowingerfund in Segnitz und Nachbildungen in Form von Kleidung, Schmuck, Waffen und Geräten aus dem Alltagsleben der Merowinger besichtigt werden. Die Repliken wurden von der Reenactmentgruppe „Merowingerzeit“ zur Verfügung gestellt, die sich mit der fach- und zeitgerechten Herstellung dieser Gegenstände befasst und sich damit auf die Reise in die Zeit und in das Leben der ersten Franken begibt.

Neben der Sonderausstellung im Museum standen eine ganze Reihe, über das Jubiläumsjahr verteilte, Vorträge, Film- und Bilderschauen sowie Beiträge der Vereine auf dem Programm. Im Mittelpunkt stand dabei auch ein Dorffest mit dem Thema „Durch Garten, Dorf und Keller“ mit Führungen in Gärtnereien, beim Winzer und im Dorf. Den Abschluss des Festreigens bildete der „Flurgang anno dazumal“, ein Gemarkungsumgang der Feldgeschworenen nach alter Sitte.

 

 

 

 

Die Ausstellung zieht viele Besucher an.
Dr. Margarete Klein-Pfeuffer erläutert den interessierten Ausstellungsbesuchern das Konzept.

 

 

 

Die ersten Franken am Maindreieck

 

Eine sehr große Resonanz fand die Sonderausstellung „Die ersten Franken am Maindreieck“ im Museum Segeum in Segnitz. Dr. Margarete Klein-Pfeuffer, die das Konzept hierzu erstellt hat, zeigte sich erfreut, dass auch dieses Thema nach den Bier- und Weinflaschen, den Schlössern, Mangelbrettern und Geschenken auf Zeit bei den Museumsbesuchern so großen Anklang findet. Die Ausstellung war von Mitte Januar bis zum 19. März während der Öffnungszeiten des Museums zu sehen.

 

Im Gegensatz zu früheren Ausstellungen im Segeum wurden hier neben den dauerhaft im Museum aufbewahrten Ausgrabungsfunden nun auch originalgetreue Nachbildungen von Alltagsgegenständen der ersten Franken gezeigt.

 

Das Maingebiet wurde im 6. Jahrhundert nach Christus allmählich von den aus dem Mittelrheingebiet stammenden merowingischen Franken erobert und besiedelt. Mit dieser Zeit, mit der damaligen Lebensweise und mit der Herstellung von Nachbildungen befasst sich die Reenactmentgruppe „Merowingerzeit“, von der auch die Exponate in der Segnitzer Ausstellung stammen.

 

Die Sammlung bietet einen Einblick in die Handwerkskunst und in die Glaubenswelt der damaligen Bewohner des Maingebiets. Die Ausstellung zeigte Tracht, Kleidung, Bewaffnung, Schmuck, Symbolik und Geräte des täglichen Lebens. Im Mittelpunkt standen dabei die Waffen eines offensichtlich schon christlichen Franken, kunstvolle Fibeln, Broschen, Glasgefäße und der Grabstein eines wohl bedeutenden Mannes. An Originalen wurden ein Messer und die Gebeine einer Frau aus dem Merowingergräberfeld in Segnitz gezeigt.

 

Die dauerhaften Abteilungen des Museums befassen sich anhand der Funde aus dem Bronze-/Hallstattzeitlichen Gräberfeld und aus dem Merowingerfriedhof in Segnitz sowie mit dem Museumsfilm „Auf dem Weg ins Jenseits“ mit den Bestattungssitten von der Jungsteinzeit bis ins Frühe Mittelalter.

 

Das Museum Segeum in der Alten Schule in Segnitz, Sulzfelder Straße 3 ist von Januar bis November jeweils an Sonntagen von 14 bis 17 Uhr und ganzjährig nach Vereinbarung mit Tel. 09332/9458 geöffnet.

 

 


 
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